Artenvielfalt durch Schafbeweidung?

Was hat eigentlich Schafbeweidung mit Artenvielfalt und Insektenschutz zu tun? Diese Frage stellen sich vielleicht einige Bürger auf den Gebersdorfer Wiesen am Brünnla.Daher einige Erläuterungen.
 
Die Schafbeweidung war früher in ganz Bayern weit verbreitet. Im Umkreis von Nürnberg waren es vor allem die nährstoffarmen Sandböden, die mit Schafen beweidet wurden, da hier eine ackerbauliche Nutzung unrentabel war. Noch bis vor 60 Jahren waren rund um das Stadtgebiet ca. 7-8 Schafherden unterwegs und haben die Landschaft geprägt. Auf diesen Schafweiden hat sich auf Grund der Nutzung und der Bodenbeschaffenheit eine ganz besondere Flora und Fauna entwickelt.

Durch die Flächenknappheit und den hohen Nutzungsdruck im Stadtgebiet sind heute jedoch nur noch sehr wenige Relikte dieser besonderen Flächen, den sogenannten Sandmagerrasen, vorhanden – mit Ihnen auch nur noch kleine „hotspots“ mit dieser besonderen Artenvielfalt.
Auf den Gebersdorfer Wiesen haben sich solche Sandmagerasen durch die Pflege mit Hilfe der Schafbeweidung wieder etablieren können. Auch wenn für den Laien die Wiesen eventuell nicht außergewöhnlich erscheinen, so sind diese Flächen jedoch von hohem ökologischen Wert.
Bei einer botanischen Erfassung konnten auf den Wiesen fast 100 Pflanzenarten gefunden werden, 9 Arten davon stehen auf der Rote Liste, wie zum Beispiel die Sand-Grasnelke (siehe Bild).
Sand-Gras-Nelke
Foto: Gisa Treiber, Umweltamt Stadt Nürnberg
 
Im Gegensatz dazu befinden sich heute auf normalen landwirtschaftlich genutzten Wiesen in der Regel nicht einmal 20 Pflanzenarten. Mit dem Verlust an Pflanzen geht natürlich zusätzlich auch ein Verlust von zahlreichen Insektenarten einher.
 
Eine schonende Beweidung hat viele Vorteile:
  • Sie ist wesentlich dynamischer und die Reduzierung des hohen Pflanzenaufwuchses erfolgt viel langsamer als bei einer Mahd durch Maschinen.
  • Der Vegetationsbestand wird nicht auf einmal entfernt, sodass Insekten flüchten können und auf andere Flächen ausweichen können
  • Durch den Tritt der Schafe entstehen kleine offene Bodenstellen, die von Pionierarten und für viele Kleininsekten von hoher Bedeutung sind
  • Eine Beweidung ist wesentlich ressourcenschonender als die Mahd durch technische Geräte
Da die heute städtischen Grundstücke auf den Gebersdorfer Wiesen auch mit Ausgleichsmitteln des Naturschutzes erworben wurden, hat die Stadt Nürnberg die Verpflichtung diese Flächen für den Naturschutz vorzuhalten und weiter zu entwickeln. Dies erfolgt mit der Fortführung der Schafbeweidung. Da Schafe jedoch sehr empfindlich auf die Gegenwart von Hunden reagieren, hat die Stadt Nürnberg eine Allgemeinverfügung erlassen, um eine störungsfreie Beweidung der Flächen zu ermöglichen. Daher sind Hunde in der Zeit der Beweidung auf den Wiesen nicht gestattet.

Auch Hundekot und viele wilde Pfade wirken sich stark beeinträchtigend auf die Flächen aus. Das Umweltamt bittet daher um einen respektvollen Umgang.

Übrigens: Auch die Pflanzung der Obstbaumreihe am Wegrand dient der Biodiversität. Sie wurde durch das Umweltamt der Stadt Nürnberg in Kooperation mit dem Bürgerverein gepflanzt. Die 26 verschiedenen Obstbaumsorten zeigen, dass es auch bei den Kulturpflanzen eine hohe Diversität an Arten gibt. Damit die Bäume gut durch das trockene Frühjahr kommen, wurden sie bereits schon viermal in diesem Jahr im Auftrag des Umweltamtes gewässert.
 
Gisa Treiber
Umweltamt Stadt Nürnberg
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